Das unterschätzte Frankenland – mit seiner Perle, dem Sylvaner

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Rheinhessen, Pfalz, Mosel – soll man deutsche Weinanbaugebiete nennen, sind diese Regionen in aller Munde. Eine Gegend, die eher für ihren „Loddar“ und die Unfähigkeit, das T und das P ordentlich auszusprechen bekannt ist, wird jedoch schwer unterschätzt: das Frankenland und ihr Silvaner.

Wir haben uns mit einem Jungwinzer, Andreas Weigand aus Iphofen/Würzburg, getroffen, um ihn mal auf den Zahn zu fühlen, was er auf seinem Weingut Weigand macht und warum der Silvaner so unterschätzt wird.

Red.: Hallo Andreas, toll, dass du uns etwas über den Frankenwein erzählen kannst. Lass uns mit einer einfachen Frage beginnen: Was für Weine macht ihr eigentlich im Frankenland?

A.: Wenn man sich mal anschaut, wie die Weinbaugebiete in Deutschland verteilt sind, so sieht man gleich, dass Franken etwas abseits von den großen Gebieten wie Pfalz, Rheinhessen, Nahe, Mosel, Ahr, Baden liegt, die alle zusammenhängen. So wird auch in der „Weinwelt“ oft über Franken geredet: Irgendwie hat man uns auf dem Schirm, aber keiner kennt wirklich etwas aus Franken.
Dabei ist das Gebiet Franken genial. Wir haben auf der kleinen Fläche, die hier bewirtschaftet wird (6000 ha, im Vergleich Deutschland gesamt 100.000 ha und Frankreich 1.000.000 ha) drei unterschiedlich Bodenformationen. Steigerwald, wo ich herkomme, hat Keuperböden, welche die Weine würziger und krautriger macht. Das Maindreieck ist in der Ecke um Würzburg und geprägt vom Muschelkalk, welcher die Weine eher floral und blumig schmecken lässt. Das Mainviereck, Bürgstadt und Richtung Aschaffenburg ist geprägt vom Buntsandstein und lässt hervorragende feine Spätburgunder gedeihen. Franken ist von der herausragenden und meiner Meinung nach unterschätzen Rebsorte Silvaner geprägt.

Red.: Interessant! Was macht den Silvaner und Euch Franken so besonders?

A.: Da ich meine Bachelor Thesis auch dieser Rebsorte gewidmet habe und selber über 65% davon in unserem Weingut anbaue, kann ich da recht gute Erfahrungsberichte abgeben. Zuerst einmal war Silvaner bis ca. 1965 die meist angebaute Rebsorte in Deutschland. Dann wurde er durch die Veränderung des Kundengeschmackes, hin zu mehr Frucht und Süße, was der Amerikanisierung des Geschacks geschuldet ist, zu Gunsten des Rieslings auf mittlerweile nur noch 5% der gesamten Rebfläche verdrängt. Heute wird Silvaner hauptsächlich in Franken (über 25% der fränkischen Rebfläche) und in Rheinhessen angebaut, dort aber nur als kleine Randrebsorte.
Das Aroma vom Silvaner ist durch seine zurückhaltende Art ideal, um sehr vielschichtige Weine hervorzubringen. Er hat weniger Frucht als zum Beispiel Riesling und zeigt dadurch noch ehrlicher den Boden, auf dem er wächst. Silvaner vom Steigerwald, wie hier bei uns, ist immer kantiger und würziger als Silvaner aus Würzburg. Silvaner ist also nicht gleich Silvaner.

Red.: Was baut ihr noch an in eurer Region?

A.: Neben dem Silvaner wird ist vor allem Scheurebe, Weissburgunder, Riesling und Spätburgunder angebaut. Außerdem auch noch von früher viel Müller-Thurgau, der als Brot und Butter Wein galt, und durch wenig Arbeit viel Ertrag bringt. Die Rebsorte wird aber immer mehr durch den Silvaner verdrängt, was wir gut finden. Es ist schön neben dem Silvaner noch die oben genannten Rebsorten zu haben, da jede für sich etwas ganz Besonderes mit sich bringt.

Red.: Eure Flaschen sind ja auch sehr different den anderen Regionen gegenüber, gibt es da eine Geschichte?

A.: Ja, der gute Bocksbeutel. Eigentlich ist es etwas Spezielles so eine Flasche zu haben. Wie bereits erwähnt sind wir ein kleines Gebiet und als solches sind wir die einzigen auf der Welt, die den Bocksbeutel verwenden dürfen. Früher ein Qualitätsmerkmal, heute aber leider durch den Massenwein der 1990er Jahre nicht mehr von Bedeutung. Mittlerweile tut sich wieder einiges was das Flaschendesign angeht und vielleicht gewinnt der Bocksbeutel durch die guten Weine wieder an Image. Aber was viel wichtiger ist, ist der Inhalt der Flasche – das wird beim Bocksbeutel oft vergessen, da mehr über die Flaschenform gesprochen wird als über den Wein.

Wer also das nächste Mal vor dem Weinregal steht und frische, lebendige Weine mag, kann ruhig zum Silvaner greifen. Denn ja, sie sind unterschätzt, die Franken.

Wir danken Andreas vom Weingut Weigand für seine Zeit und sein Wissen.

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