Die Welle machen für das Meer

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Plastikübersäte Strände, verendete Seevögel, Müllstrudel, die im Meer treiben – die Ozeane haben mit vielen Probleme zu kämpfen. Zeit, aktiv zu werden. Denn wenn wir alle so weitermachen wie bisher, wird schon 2025 doppelt so viel Plastikmüll in den Weltmeeren treiben wie heute. Wo liegen die Ursachen? Und was kann jeder einzelne tun?

Plastik für kommende Generationen

Es wird immer mehr Plastik produziert. Von jährlich 1,5 Millionen Tonnen in den 1950ern bis zu 300 Mio. Tonnen heutzutage. Insgesamt haben sich über die Jahre so 8,5 Milliarden Tonnen angesammelt, von denen 80 % auf Müllhalden oder eben in den Weltmeeren darauf warten zu verrotten. Und das kann dauern. Plastik ist geduldig und lässt sich bis zum vollständigen Abbau bis zu 450 Jahre Zeit.

Ein paar Zahlen vorweg

Vom Strohhalm über die Plastikflasche und die Einkaufstüte, bis hin zu Flip-Flops und Plastikstühlen – ca. 5-10 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich im Meer. Auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche lassen sich bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe nachweisen. Der Great Pacific Garbage Patch, der Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii, ist inzwischen viermal so groß wie Deutschland, ähnlich große Strudel finden sich im Atlantik und im Indischen Ozean. Enorme Ausmaße. Doch ist das, was oben treibt, nur die berühmte Spitze des Eisberges. Das meiste, geschätzt 70%, sinkt in die Tiefe, schwebt wie Plankton in tieferen Wasserschichten oder endet auf dem Meeresgrund.

Verhungert mit vollem Magen

Vermutlich 100.000 Meerestiere wie Wale oder Delfine verenden jährlich durch verschluckte Plastikteile oder weil sie sich in Geisternetzen verheddern. Hinzu kommen 1 Million Seevögel, die verhungern oder an inneren Verletzungen sterben, weil sie Plastik mit Futter verwechseln. Werden die Teile im Laufe der Jahre kleiner, ist das Problem leider nicht gelöst, sondern nur verlagert. Mikroplastik wird von Fischen, Muscheln und Korallen aufgenommen und somit ein tödlicher Teil der Nahrungskette. Ein Thema, das durch den internationalen Fischfang übrigens wieder auf unsere Teller zurückkehrt. Die Plastikteilchen setzen zahlreiche giftige Inhaltsstoffe frei, Weichmacher und Bisphenol A, diese schädigen das Erbgut und den Hormonhaushalt der Meerestiere – und verursachen auch beim Menschen Fortpflanzungsstörungen und Krebs.

Wie lassen sich die Ozeane retten?

Auch wenn auf internationaler Ebene Richtlinien und gesetzlichen Rahmenbedingungen langsam in die Gänge kommen, so ist eine rasche Lösung derzeit nicht in Sicht. Doch jeder einzelne von uns kann helfen.

Plastik nach Möglichkeit vermeiden: Lasst Wegwerfartikel links liegen, vermeidet unnötige Verpackungen und kauft Lebensmittel aus der Region oder vom Markt. Entscheidet euch für hochwertige, langlebige Produkte. Ende 2018 hat die EU außerdem eine Richtlinie verabschiedet, die binnen weniger Jahre unnötiges Einwegplastik aus dem Handel verbannt: Für Einweggeschirr, Kaffeebecher, Plastikstrohhalme, Watte- und Rührstäbchen sowie Joghurtbecher aus Polystyrol werden sich plastikfreie Alternativen finden lassen.

Mikroplastik – je kleiner, desto tückischer: Mit bloßem Auge kaum zu erkennen, fallen diese Partikel unter 5 mm fast überall im Alltag an und gelangen über Regen und Abwässer in die Flüsse und somit ins Meer. Sie stecken in Kosmetikartikeln wie Duschgel, Shampoo, Seife, Creme, Peeling und Lotion. Die Organisation „Beat the Microbead“ listet genau auf, welche Marken besonders belastet sind und nennt Anbieter, die ganz bewusst plastikfrei produzieren.
Eine weitere, noch relativ unbekannte Quelle für Mikroplastik sind Billigtextilien aus Kunststofffasern. Nicht nur, dass sie unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt werden, sie setzen auch bei jeder Wäsche Fasern und Partikel frei, die selbst in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können und direkt in den Wasser- und Nahrungskreislauf wandern. Reine Baumwolle ist in vielen Fällen eine bessere Alternative. Als Autofahrer erzeugen wir Mikroplastik mit jedem gefahrenen Kilometer durch den Gummiabrieb der Reifen. Unvermeidbar, doch wir können darauf achten, unnötige Fahrten zu vermeiden, wenn möglich Fahrrad und Nahverkehr nutzen und zum Beispiel Fahrgemeinschaften organisieren.

Initiativen für gesunde Meere: Dass auch das beherzte Engagement von Wenigen einen großen Unterschied macht, zeigt das Beispiel von 4ocean: Gegründet von zwei jungen Surfern, die Problem und Lösung beim Wellenreiten auf Bali erkannten. Wieso sammeln die Fischer vor Ort den Müll nicht einfach mit ihren Netzen ein? Weil das Zeit und Geld kostet und sie ihre Familien ernähren müssen. So organisiert 4ocean inzwischen weltweit, dass die Einheimischen für ihre Säuberungsaktionen entlohnt werden und recycelt einen Teil des von ihnen abgefischten Plastiks zu modischen Armbändchen. Diese werden für eine symbolische Summe verkauft, mit dem Erlös wird pro Stück ein Pfund Plastik aus dem Meer gefischt. Über 1000 Tonnen Müll hat die Organisation mit 150 Mitarbeitern so in knapp zwei Jahren entfernt.

Ebenfalls aktiv: Der deutsche NABU kooperiert mit nationalen und internationalen Akteuren, formuliert Forderungen an die Politik, vermittelt Meerespatenschaften und unterstützt Initiativen wie www.gewaesserretter.de (Säuberungsaktionen am Strand) oder „Fishing for Litter“.

Es geht auch anders

Warum erzählen wir euch das? Was hat das mit Kochfeldern zu tun, die aus Glaskeramik und eben nicht aus Plastik hergestellt sind? Wir wollen deutlich machen: Wir haben verstanden. Und tragen selbst unseren Teil bei. So zum Beispiel beim Thema Verpackung. Wo früher Nopaschaumfolie zum Einsatz kam, verwenden wir heute überwiegend umweltschonendes Vlies. Strapazierfähig, reißfest und platzsparend. Genau dieser ganzheitliche Ansatz, den Lebenszyklus eines Produktes vom Anfang bis zum Ende durchzudenken und zu optimieren, macht aus unserer Sicht den Unterschied für die Zukunft des Planeten aus.

 

 

Titelbild ©Karina Tes on Unsplash

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