Street Food Folge 2: Pintxos, Txakoli und pure Lebensfreude

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Bilbao. Hier scheint die Zeit irgendwie stehen geblieben zu sein. Zumindest kulinarisch. Denn wer hier nach einem trendigen Hipster-Lokal mit zwei bis drei Blättern Salat und vier Chiasamen auf der Speisekarte sucht, der hat in dieser Stadt definitiv keinen Erfolg. Den Besucher erwartet stattdessen eine wundervolle, echte Küche, geprägt von Simplizität und Tradition. Bilbao ist auch architektonisch ein Traum. Alte enge Gassen, die nur so vor Leben strotzen und eine saftig grüne Landschaft mit dem Atlantik vor der Türe. Egal ob unter Tags oder am Abend, die Basken wissen, wie man das Leben genießt. Nämlich unter freiem Himmel mit Pintxos, Txakoli und guten Freunden. Mehr braucht die Seele eigentlich nicht.

Ein kurzer kulinarischer Crashkurs

Vorweg, noch eine kleine phonetische Erklärung: „Tx“ wird vom Laut her wie ein „tsch“ ausgesprochen. Was genau sind Pintxos und Txakoli jetzt eigentlich? Wer schon einmal von Tapas gehört hat, der liegt gar nicht einmal so falsch. Tapas sind kleine, simple Gerichte, die in der Regel gratis zu einem Getränk serviert werden. Zuhause sind sie im Süden Spaniens. Tapa bedeutet Deckel. Die Geschichte dazu: Früher wurde ein Stück Brot oder eine Scheibe Schinken auf die Bierflasche oder auf das Weinglas gelegt. So konnten sich keine Tierchen oder Verunreinigungen in die Getränke der durstigen Gäste verirren. Das Wort Pintxos heißt zu Deutsch Stäbchen. Sie sind etwas komplexer als ihre südliche Verwandtschaft und tragen Züge der französischen Küche in sich. Obwohl sich hier die Meinungen spalten. Von der klassischen Sardelle mit eingelegter Paprika und einem kräftigen Schuss Olivenöl, über den traditionellen Schinken vom „Pio Negro“ Schwein, bis hin zum in Salz eingelegten Kabeljau, der unter vielen auch als Bacalao bekannt ist. Dazu wird eine Soße serviert, die aus Zwiebeln, Paprika und Knoblauch besteht. Ein guter Tropfen Wein darf dabei selbstverständlich nicht fehlen. Die flüssige Seite der Basken wird unter anderem vom sogenannten Txakoli geprägt. Dieser Weißwein profitiert von den speziellen klimatischen Bedingungen. Der Atlantik und die hiesigen Bodenbedingungen verleihen der Traube ihren herrlich, trockenen Geschmack. Ein Muss für jeden, der Bilbao bzw. das Baskenland besucht.

Tauchen wir ein

Wenn der Boden des Lokals voll mit Kassenzetteln ist, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Essen bzw. die Pintxos besonders gut sind. Ein weiteres Sigel für Qualität ist das Publikum. Je mehr alt eingesessene Basken in aber vor allem vor dem Lokal essen, trinken und tratschen, desto besser die Küche. Die Bezahlung kommt, wie überall auch, zum Schluss. Dabei verraten die Anzahl der Stäbchen den Gastronomen die zu bezahlende Summe. Je später es wird, desto ausgelassener und flüssiger wird die Stimmung. Sollte sich also jemand überlegen Bilbao auf eigene Faust zu erkunden, wird er nicht allzu lange alleine bleiben. Die Offenheit und Gastfreundschaft wird dortzulande sehr groß geschrieben. Diese Authentizität, wie sie im Baskenland anzutreffen ist, lässt sich in nur in sehr wenigen Städten dieser Welt finden.

Unser Pintxos-Tipp

La Olla – eine kleine Pintxos-Bar in einer der Ecken der Plaza Nueva. Die Wartezeiten können sich zu Abend etwas in die Länge ziehen. Dafür wird an der frischen Luft gewartet,  umgeben von historischer Architektur. Im La Olla ist die volle Bandbreite an Pintxos zu Hause. Es werden, wie kann es auch anders sein, ausschließlich regionale Produkte verarbeitet. Was unbedingt probiert werden muss? Einfach alles. Falls man es schafft.

Adresse: Nueva Plaza, 2, 48005 Bilbo, Bizkaia, Spanien

Fazit: Die Verbundenheit der Basken mit ihrem Land und mit ihrer Tradition ist sicherlich einer der wesentlichen Aspekte, die die hiesige Küche dorthin gebracht haben, wo sie sich heute befindet. Hier zählt gute Küche noch zu den essenziellen Dingen im Leben.

Titelbild © Brooke Lark on Unsplash
Weitere Bilder © DagnyWalter on pixabay; The HK Photo Company on Unsplash

 

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