„Viva la Re-Velotion“

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Bevor das Fahrrad zur praktischen und umweltfreundlichen Alternative aufstieg, wurde es vor allem denen zugeschrieben, die sich keinen „anständigen“, fahrbaren Untersatz leisten konnten. Sprich, wer kein Geld für ein Auto hatte, fuhr Rad. Seit nun gut zehn bis zwölf Jahren aber hat sich ein Bewusstsein für diese gesündere und weitaus sportlichere Art von Fortbewegung entwickelt. Der rostige Drahtesel hat sich zu einem auf Hochglanz polierten Ross verwandelt.

Die Stadt mit anderen Augen (er)fahren

Wer für den täglichen Weg zur Arbeit vom Auto aufs Fahrrad umsteigt, der lernt die Stadt aus einer ganz neuen Perspektive kennen. Neue Wege tun sich auf, wo vorher Sackgassen waren. Man ist flexibler, kann Staus umfahren und braucht sich keine Gedanken um einen Parkplatz machen. Man entdeckt neue Lokale am Straßenrand und findet vielleicht eine Abkürzung, die einen noch schneller ans Ziel bringt. Die wohl wichtigsten Gründe für den täglichen Bike Trip sind aber gesundheitlicher Natur. Eure Gelenke werden es euch danken, genauso wie die Kondition und die Psyche. Denn Bewegung macht glücklich.

Statussymbol mit 0 PS

Die Evolutionsgeschichte des zweirädrigen Vehikels geht mittlerweile schon so weit, dass bestimmte Ausführungen so viel kosten wie ein Klein- oder ein gebrauchter Mittelklassewagen. Der Dekadenz sind keine Grenzen gesetzt. Vom Sattel mit Mantarochenleder bis hin zu einem mit echtem Gold veredelten Rahmen – das Fahrrad hat sein Image vom Drahtesel längst abgeschüttelt. Die meisten Räder, die in urbanen Räumen kursieren, sind aber immer noch ganz normale Stadträder, Mountainbikes oder Rennräder. Mit Swarovski-Steinen bestückte Speichen oder Räder mit Rahmen aus Elfenbein sind da doch in der Minderheit. Wobei sich so ein Mountainbike oder Rennrad auch schnell im vier- bis fünfstelligen Euro Bereich bewegen kann. Der neueste Schrei im Großstadtdschungel sind aber E-Bikes. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h können die elektrifizierten Räder einem ganz schön viel Arbeit abnehmen.

Urbane Freiheit von Lime

Bikesharing Anbieter sind seit einiger Zeit nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Das Prinzip ist dasselbe wie das eines Carsharing Anbieters, nur eben viel umweltfreundlicher und platzsparender. Einfach die dazugehörige App herunterladen und schon kann geflitzt werden. Mit dem Rad versteht sich, nicht nackt. Apropos nackt, die nackte Wahrheit hinter Sharing Anbietern ist, dass sie ihr Geld nicht etwa durch die Vermietung ihrer Autos, Räder und Roller verdienen, sondern mit dem Sammeln und Verkaufen von Daten. Diese Daten liefern aufschlussreiche Informationen darüber, wie sich Menschen in Ballungsräumen bewegen und vorankommen. So können in Zukunft Infrastruktur und Raumplanung schneller und effizienter optimiert werden. Kommen wir aber zurück zu unserem elektrifizierten Drahtesel. Einer der neuesten Anbieter ist Lime. Neben dem Elektrorad bieten sie auch einen mit Strom betriebenen Roller an. Das aus San Francisco stammende Start-up hat sein Geschäft mittlerweile nicht nur in großen Teilen Amerikas auf den Markt gebracht, sondern mittlerweile auch in Berlin, Frankfurt, Bremen und in Zürich. In Zukunft soll noch weiter expandiert werden. Das Besondere: Lime ist für Unternehmen und Universitäten im ersten Monat in den verfügbaren Städten kostenfrei.

Titelbild © Alexey Lin on Unsplash
Weitere Bilder © Jonny Kennaugh on UnsplashMichał Wichrzyński on Unsplash; Lime

2 Kommentare zu “„Viva la Re-Velotion“

  1. Günther Klages

    Fahrrad ist schon eine wichtige Sache für mich. Ich verzichte mittlerwiele seit mehreren jahren auf ein eigenes Kfz.
    Habe dafür aber zwei Räder, ein Mountainbike, mit dem ich auch mal abseits von befestigten Straßen Spaß haben kann und ein Treckingbike, für den täglichen Arbeitsweg, Einkäufe, etc..
    Demnächst vielleicht für Fahrten in der Stadt ein Fixie (des Spaßes wegen). Die Notwendigkeit eines E-Bikes habe ich noch nicht erkannt.

    Und sollte ich tatsächlich mal etwas größeres zu transportieren haben, macht es ein Mietwagen, Taxi oder Car-Sharing.

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    1. Frank Forberger

      zweifelsfrei eine der fortschrittlichsten Rückschritte der letzten Dekaden. Schon interessant, dass sich die Dinge hin und wieder genau andersrum verhalten, als man gedacht hatte. Die Entscheidung auf ein eigenes Kfz zu verzichten teile ich mit dir auf jeden Fall, auch wenn das so ein bisschen Großstadtluxus ist, liegt da definitiv ein Teil der Lösung. Obwohl ab und zu ein auf Manni machen ist schon ganz verlockend.

      Habe übrigens auch zwei Räder, nur leider teilen sie sich den gleichen Rahmen (:

      Ist aber wärmstens zu empfehlen zwei eigenständige Bikes zu haben, kenne einige die eine ähnliche Bikekonfiguration haben und darauf nicht mehr verzichten wollen. Pragmatismus trifft hier Leidenschaft und wenn ab und zu nen DriveNow um die Ecke steht, für die wirklich unhandlichen Besorgungen, dann würde ich fast sagen, diese Problematik müssen wir nicht zwingend vererben. Auf so einige Gadgets müssen wir dann nicht mal verzichten, sie werden uns wohl in der Küche zur Hand gehen. Ich glaube wir werden überrascht sein, wie sehr wir sie dort vermisst haben werden, wo man sie auch tatsächlich richtig nutzen kann. Im Auto sind die kleinen technischen Raffinessen irgendwie verblasst. Es sah aufregend aus und man konnte vermutlich unheimlich viel coole Sachen machen, aber eben nur im Auto.

      Zu E-Bikes fällt mir auch nicht viel ein, vielleicht etwas hat ein E-Bike. So lange wie die Stadt noch so extrem verdieselt ist, nimmt das E-Bike einem etwas die Anstrengungen ab, wodurch man leider etwas zu tief und intensiv einatmet.

      Die Richtung ist gut. Danke für deinen Beitrag Günther.
      FF

      Antwort

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