Wie viel Bio steckt in Biokunststoff?

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Dass Plastik aus Erdöl besteht und dass Erdöl in der Vergangenheit schon des Öfteren für die eine oder andere umwelttechnische Katastrophe gesorgt hat, ist höchstwahrscheinlich schon zu jedem durchgedrungen. Dabei ist aber nicht nur die Herstellung problematisch, sondern auch die Entsorgung. Das war wohl der Startschuss für eine ökologisch vertretbare Lösung des Problems: Biokunststoff. Doch wie viel Bio steckt eigentlich in diesem „grünen“ Kunststoff? Wir zeigen es euch!

 

Die Kunst der Stoffe

Das Produktsortiment, das aus Biokunststoff hergestellt wird, ist groß und deckt auch so ziemlich alle Bedürfnisse ab – vom Palmblattlöffel für den Quinoa-Erdbeer-Bärlauch-Smoothie, über die Bambus-Take-Away-Behältnisse für den fettigen Heißhunger zwischendurch, bis hin zum Zuckerrohrteller für das umweltfreundlichere Picknick zu zweit. Aber was ist jetzt eigentlich genau mit Bio gemeint? Umwelttechnisch komplett vertretbar oder doch nur heiße Luft?

Die Definitionen sind hier etwas trübe. Biokunststoff kann einerseits auf Basis von nachwachsenden und organischen Rohstoffen wie zum Beispiel Maisstärke oder Zucker hergestellt werden. Andererseits können auch biologisch abbaubare Kunststoffe als Bioplastik gekennzeichnet bzw. bezeichnet werden.

Bioplastik ist also weder Fleisch noch Fisch. Sein Vorteil gegenüber konventionellen Kunststoffen liegt aber auf der Hand – für die Herstellung braucht es keinerlei fossile Rohstoffe. Es gibt verschiedene Verfahren, mit denen aus Mais, Bambus, Zuckerrohr und anderen verzehrbaren Produkten biologische Kunststoffarten gewonnen werden können. Was nicht bedeutet, dass man sein Bio Einweggeschirr mit einer Schokoladenglasur verzieren und zur Nachspeise umfunktionieren soll. Noch ist der Marktanteil der Biokunststoffe mit 1,5 Prozent sehr gering. Gegenwärtig wird aber fleißig an neuen Herstellungsmethoden geforscht.

 

„Good will“ hin oder her …

… der Biokunststoff hat auch noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Denn wie der Biosprit ist er direkter Konkurrent zur Nahrungsmittelproduktion. Wertvolle Anbauflächen, die für Dritte Welt Länder essenziell wären, gehen für die Produktion von Messer, Gabel und Co. verloren.

Hoffnung recycelt sich zuletzt

Ein Silberstreifen am Horizont ist die Verwendung bzw. Verarbeitung von anderen organischen Rohstoffen wie Holz- oder Lebensmittelabfällen. Die stehen mit keinem im Konflikt. Höchstens mit dem dahinkriechenden Borkenkäfer oder anderen Insekten, die sich an den Lebensmittelabfällen laben. Diese Idee klingt zwar sehr gut, jedoch steckt sie erst in den Babyschuhen. Die mit Abstand erfolgversprechendste Alternative ist PLA oder auch als Polymilchsäure-Bakterie bekannt. Die Bakterien müssen zwar mit einer Art Zucker „gefüttert“ werden, jedoch forscht man zurzeit auch an einem Substitut für Mais, Kartoffel, Rohrzucker und Co. – Lignocellulose, ebenfalls ein Bestandteil von Holz, könnte der nächste Entwicklungsschritt sein. Der große Vorteil dabei: keine Konkurrenz für die Lebensmittelproduktion.

Bis Biokunststoff ohne Bedenken für die Masse produziert werden kann, können allerdings noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen. Bis dahin hütet die Umwelt selbst so gut ihr könnt.

 

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